Mittwoch, 9. September 2009

- *brutzel, brutzel* -

Ich glaube heute war meine Feuerprobe, was den Zimmerservice angeht. Sabrina und Christine hatten heute frei und ich sollte allein die zwei Zimmer machen. Das hatte ich ja vorher auch schon gemacht, aber der darauf folgende Halbsatz der Chefin: „damit wir mal sehen, ob du das auch allein kannst“ hat mich zum Nachdenken angeregt.
Ende von Lied: ich hab geschrubbt wie besessen. Echt alles und überall und war letztendlich nach einer Stunde und fünf Minuten fertig- wollte ja doch wissen wie lange ich brauche.. ;)
Abwarten, was ihr Ergebnis sein wird…

Ansonsten hat sich mein Tagesablauf („tu veux qu’je t’dise: Le Quotidien..!!!!“ ;) - für alle, die Französisch mit mir hatten) nicht viel verändert. Morgens Zimmer machen, abends Restaurant. Heute morgen hab ich auch das Frühstück gemacht. Macht Spaß, aber dafür muss ich um viertel nach 6 aufstehen.

Morgen hab ich bis 17 Uhr frei und werde von meinem Chef mit nach St. Pierre genommen. Freitag ist die Hochzeit von Guillaumes (Kellner) Cousine, zu der ich mitgehe. Und ab Samstag haben wir Chef- freie Zone, weil er und seine Frau ohne Kinder nach Mauritius fliegen- 4 Tage Kurzurlaub. Auf die Kinder passe ich dann auf, d.h. ich werde den ganzen Tag mit ihnen verbringen, zusammen essen und im selben Zimmer schlafen. Bis auf die Tatsache, dass sich das so anhört, als wären wir aneinandergekettet, find ich das total gut. Die beiden sind echt süß und uns wird bestimmt nicht langweilig. Außerdem fällt in der Zeit meine andere Arbeit weg- auch mal nett. :D

Das Wetter ist grad in seiner extremen Phase- vielleicht Pubertät? Gestern hatten wir so starken Wind, dass alle von „cyclone“ gesprochen haben. Weiß nicht- will ich nicht so richtig glauben! Aber - für alle, die sich jetzt schadenfroh ins Fäustchen lachen- es scheint trotzdem die Sonne und der Himmel ist strahlendblau. Äätsch. ;)

Montag, 7. September 2009

- FREI- zeit -

Sonntag und heute waren meine zwei freien Tage (congé), die ich voll ausgenutzt habe.
Gestern hab ich nach einem wohlverdienten Grasse Matinée (spät aufstehen) gefrühstückt und bin gelaufen. Dumm nur, dass hier alles aus Bergen besteht. Hab also Frau Bublitz’ alten Lauftrainingsplan aus dem Kopf gekramt und bin in bestimmten Minutentakten abwechselnd gelaufen und gegangen. Das ging ganz gut und ich hab wieder ein bisschen mehr von Entre- Deux gesehen. Zur Abkühlung bin ich im Hotel in den Pool gesprungen. Auf der Liege bin ich dann innerhalb einer viertel Stunde brauner geworden, als in drei Wochen Frankreichurlaub an der Côte d’Azur. Jaaa, mir ging es schon sehr gut!! :D Eifersucht und Neid dürfen auch in Kommentaren verfasst und an mich gesendet werden.


Heute war ich endlich in St. Pierre. Ricardo (Rico, der 2. Koch) und ich haben uns am Bahnhof in St. Pierre getroffen und sind durch die Fußgängerzone, die eigentlich mehr eine Klamottenzone ist, geschlendert. Hab mir schon einige Läden vorgemerkt, die ich noch mal alleine unsicher machen muss ;) höhöhööö!! Das Beste: so teuer die Nahrungsmittel hier sind, so billig sind die Klamotten. Oberteile kosten nie mehr als 15 Euro und die sind so ausgefallen und bunt, wie es sich bei uns nicht mal New Yorker trauen würde.

Durch einen großen Park sind wir direkt an die Strandpromenade (au bord de la mer) gekommen. Wir hatten super Wetter: Sonne satt und ordentlich Wind. Parfait!
Am Strand hab ich erst mal ein typisch reunionaisisches „Sandwich americain“ gegessen. Jaaa hört sich amerikanisch an, aber die Ammies würden nie so eine Matsche fabrizieren! Also man stelle sich vor: ein halbes Baguette, gefüllt wie ein Hot Dog: mit Pommes, der Fleischart, die du haben willst (ich z.B. Hühnchen), eine Sauce (Ketchup, Majo, sonst was), dann Käse darüber und kurz in den Ofen. Es hat so geschmeckt wie es sich anhört: ein bissl fremd in der Mischung, aber eigentlich nach Sachen, die man kennt.


An diesem weißen Sandstrand haben wir dann Pause gemacht, uns entspannt und wilde Geschichten erzählt. Irgendwann sind wir, etwas kaputt und mit einem leichten Sonnenbrand, in Richtung Bushaltestelle geschlappt und während der halbe Stunde zurück nach Entre- Deux fast eingeschlafen.
Es war ein richtig toller Tag. Jetzt kenne ich St. Pierre ein bisschen und kann allein hinfahren, weil ich weiß wo was zu finden ist. Trotzdem haben wir gesagt, dass wir so einen Tag unbedingt wiederholen müssen- es war einfach lustig!
Und innerhalb von vier Monaten werden wir doch noch einige Male an den selben Tagen frei haben!! ;)

Samstag, 5. September 2009

- Monsieur, Madame, ca vous a plu? (Restaurant) -

Bis zum Mittag bin ich also bei den Zimmermädchen, dann habe ich bis 17 Uhr Pause und bin um 17 Uhr, vernünftig gekleidet, im Restaurant. Dort hat entweder der Hoteldirektor oder der Kellner seine Abendschicht und wir falten Servietten, decken die Tische, beschäftigen den Geschirrspüler, bereiten Cocktailgläser vor und ab 19 Uhr kommen die Gäste.
Die beiden nehmen dann jeweils die Bestellungen auf ich bin für die Getränke zuständig.

Am Montag hat mir Guillaume, der Kellner, alles gezeigt und ich hatte von gar nichts eine Ahnung. Mittwoch hab ich schon angefangen zu kellnern. Das geht auch ganz gut bis jetzt. Durch den Adrenalinschub und die Panik, jedes Mal was fallen zu lassen, ist einem nie langweilig. Und man kann sich ja steigern: einen, zwei, drei Teller pro Arm. Ich schaff seit gestern zwei links. Rechts muss immer einer sein, den man dann gleich vor der Dame abstellt. Dabei muss man bedenken, dass Fisch und Fleisch immer vor der Person platziert werden sollten. Außerdem bedient man immer von rechts – es sei denn die Person ist zu dick, oder es steht was im Weg. Hatte ich auch schon mal!! ;)

Am Anfang war das Kellnern für mich der Horror, weil mir der Kontakt zu den Kunden einfach viel zu nah war.
Du bist der Chef, sobald du in die Nähe des Tisches kommst. Du fragst, was sie trinken wollen, nimmst die Bestellung auf. Ihr Essen ist abhängig von dir und gleichzeitig hängt ihre Meinung über das Restaurant von deinem Verhalten ab. Und mir war (oder ist immer noch) das zu viel. Denn: Ich bin klar im Nachteil was die Sprache angeht. Ich kann mich zwar verständigen, aber im Restaurant ist Detailreichtum angesagt. Es ist ein Unterschied, ob du fragst: „Fanden sie das gut?“ Oder „Hat ihnen das Essen geschmeckt?“ Und diese Unterschiede hab ich noch nicht alle auf Französisch drauf!

Was natürlich super ist, sind Gäste aus Deutschland. Es wirft ein gutes Licht auf das Hotel, wenn „les clients“ in ihrer Sprache angesprochen werden. So wurde ich ziemlich nervös zu meinen ersten Deutschen geschickt, um „mich nur mal mit Ihnen zu unterhalten“. *lach*
Was sagt man denn in dem Moment? Hast ja nicht viel Zeit zum Überlegen. Ich hab also gleich losgebrabbelt: Hallo, guten Abend, das ist ja toll, dass wir deutsche Gäste haben. Ich soll Ihnen was erzählen. :D Joaaa und so ging’s los.
Hinterher wusste ich alles über Ihre Route durch La Réunion und sie alles über meinen Aufenthalt hier- und dann kam das Essen. Sehr gut!
Aber während ihres Aufenthaltes hier haben wir noch öfter miteinander gesprochen und ich denke alles in Allem war es ganz gut, ins kalte Wasser geschmissen zu werden….

Freitag, 4. September 2009

- *klopf, klopf*, "Service en chambres" -

In dieser Woche bin ich von morgens 9 bis 13 Uhr mit den Zimmermädchen Sabrina und Christine unterwegs. Das ist ein echter Knochenjob. Hinterher bin ich nicht in dem Sinne kaputt, 4 x100 Meter gesprintet zu sein, sondern ich habe wirklich jeden meiner Knochen gespürt – und das sind ja eben mal so 206.
Ich lerne alles durch Nachmachen; zum Beispiel wie man die zwei Bettdecke typisch französisch so unter die Matratze klemmt, dass man sie nur mit Hebelwirkung befreien und vernünftig schlafen kann.
Und welches „produit“ zum Säubern der Möbeloberfläche, welches für den Spiegel, das Waschbecken, die Toilette usw. zu verwenden ist.
Oder auch dass Badezimmer von anderen putzen echt genauso wenig Spaß macht wie bei sich zu Hause. Ist doch gut zu wissen!
Ich werde die Putzdetails an dieser Stelle weglassen. Wen es aber interessiert, wie ein Hotelzimmer geputzt wird, kann sich gerne an mich wenden.

Im Durchschnitt brauchen die beiden für ein Zimmer eine halbe Stunde, gestern haben Christine und ich eins in 20 Minuten geschafft. Mein erstes eigenes (wie sich das anhört..) hab ich heute in 40 Minuten geschafft - aber ordentlich!! ;)
Doch trotz diesen wertvollen (und das mein ich ernst) Erfahrungen in dem Bereich, fühle ich mich nicht dazu berufen, Zimmermädchen zu werden...
Dennoch: der Job ist echt hart und ich habe jetzt viel mehr Hochachtung vor Zimmermädchen wie Christine und Sabrina. Denn sie machen einen Job, den keiner gerne macht und der mit vielen Detailarbeit und Ausdauer verbunden ist. RESPECT!

Mittwoch, 2. September 2009

- ...wo ich mich GENAU befinde -


Auf Wunsch und Nachfrage einer einzelnen Person verdeutliche ich jetzt anhand einer Karte wo GENAU ich mich befinde. Also das ist La Réunion, nachdem ich mich ein bisschen kreativ verausgabt habe.
Der Vulkan in pink auf der rechten Seite ist noch aktiv und bricht jetzt irgendwann aus. Die ausgeschüttete Lava sorgt dafür, dass die Insel nach Südosten weiter wächst. Früher sah die Insel aus wie eine Schildkröte, aber durch die Lava hat sich ihre Form verändert.
Ziemlich mittig sind die drei toten/ausgestorbenen/inaktiven Vulkane in orange. Durch die führt eine dreitägige Wanderroute, der ich letztes Jahr schon gefolgt bin- schweißtreibende Angelegenheit sag ich nur. ;) Naja auf jeden Fall liegt das Dörfchen Entre- Deux (= zwischen zwei) zwischen diesen beiden verschiedenen Vulkantypen, dunkelblau unterstrichen.
Die nächstgrößere Stadt ist St. Pierre, in hellblau.

- "faire le petit shopping" -

Heute habe ich mich erstmal mit dem Nötigsten eingedeckt- Wasser, Obst (Bananen, Kiwi, Nektarinen), Marmorkuchen, Trinkjoghurt, Schokoriegel und 2 Tafeln Schokolade. Was sein muss, muss sein!
Und ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass Schokolade wirklich zu den Grundnahrungsmitteln zählen sollte, weil es enorm wichtig ist. Es rettet dich aus jeder Gefühlslage. Von genervt auf gut drauf, von müde auf motiviert und wenn man gelangweilt ist, hat man was zu tun: Schoki essen! Ich denke, da wird mir jeder zustimmen...

Zurück zum Einkaufen. Als ich die Preise gesehen hab, war ich nicht mehr so motiviert, etwas zu kaufen. Halleluja. Eine große (also ca. 250 g) Packung M&Ms kosten 5,60 €. So teuer sind die nicht mal in unserem Kino. Oder?
Dann gibt’s Schokokekse (ca.12 in einer Packung) für 2,50 € oder für 6,90 €. Da fällt die Entscheidung nicht schwer und man schätzt das gute alte E- Neukauf um die Ecke.
Manche Früchte allerdings sind ganz kundenfreundlich, z.B. die Bananen: 6 Stück für 85 cent. Und auch der Reis ist billig, denn den gibt’s hier durch Eigenanbau im Überschuss, übrigens auch zu jedem Mittagessen.

Alles Wichtige in meinem kleinen "frigo".

Dienstag, 1. September 2009

- Ti fleur fanée -

"Ti fleur fanée" heißt verwelkte Blume und das Lied ist so etwas wie die reunionaisische Hymne. Natürlich ist die Marsaillaise die Nationalhymne, aber jeder auf La Réunion kennt das Lied und man hört es dauernd und überall…

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Es stammt aus der Zeit der Straßensänger und ist natürlich auf kréolisch. Wenn man es so spricht wie es geschrieben ist, kann man unser Französisch erkennen und erahnen worum es geht. ;) Text: http://www.insel-reunion.de/hymne.htm

Ich hab übrigens den Beweis dafür gefunden, dass kréolisch wirklich schwer zu verstehen ist. Ein Mitreisender hat mir am Flughafen erzählt, dass die Réunionaisen Touristen oder neu Zugewanderte, die aus dem euröpäischen Teil Frankreichs kommen, Z’oreil nennen. Oreille = Ohr. Den Namen haben sie bekommen, weil die Franzosen den kréolischen Akzent nicht verstehen und dann die Hand hinters Ohr legen, um ihnen das zu vertstehen zu geben. Immerhin besser als in Deutschland das Nachfragen mit „Häääh???“ ;)